Die Nagelschmied senn lauter Lompen,

Se saufen vill, se saufen vill,

Se verkäfen ihren Hammer,

Un kloppen met'm Schdill.

Das Zentrum der Nagelschmiede lag allerdings nicht an der Saar, es waren die Dörfer um Hermeskeil und Hermeskeil selbst. Größere Nagelschmiededörfer waren: Bierfeld, Nonnweiler, Damfllos, Sitzerath, Thiergarten und Kell. Zu Ende des 19. Jahrhunderts gab es rund 600 Nagelschmiedefamilien im Wirtschaftszentrum Hermeskeil.

Man sollte sich die Nagelschmiede nicht als eine geräumige Werkstatt mit guter Werkzeugausrüstung vorstellen, vielmehr waren es um 1860 noch einfache Hütten mit Zweiraumteilung, in deren ersten Drittel die Schmiede war, mit der Esse im Mittelpunkt, dieser Raum beherbergte aber auch sonstiges landwirtschaftliches Gerät und Vorräte. Getrennt von dieser Schmiede war ein kombinierter Wohnhüttenraum, der Küche und Schlafraum in einem war. Nagelschmied zu sein, hieß nicht, einem Handwerk nachzugehen. Nägel waren kurzlebige Massenprodukte und kaum ein Wirtschaftszweig reagierte so sensibel auf wirtschaftliche Schwankungen wie die Nagelproduktion. 

Da wurde mir zum Beispiel erzählt von der hageren Gestalt des Familienvaters, der vier Kinder zu ernähren hatte, und seiner Frau, die beide Nägel herstellten - 15 Stunden am Tag.

Keiner hatte das Gefühl, Meister hinter einem Amboß zu sein, sondern eher, daß der quälende Husten ihn bald geschafft hatte. Die große Lederschürze, wie sie in bildlichen Darstellungen nicht fehlt, fehlte den echten Nagelschmieden. Stattdessen trugen sie unter der Hanfschürze alte Hanf- bzw- Leinenkleider, teils eingerissen und aus Zeitmangel nicht geflickt, teils mit Brandlöchern versehen. Die Frau trug ebenfalls eine Hanfschürze, auch ihre Kleidung war schmutzig und voller Brandfleclken

Die ältesten drei Kinder mußten helfen, wenn es viel zu arbeiten gab, oft waren es zehn Arbeitsstunden am Tag für diese Kinder.

Und dann der Fiffi, Waldi oder wie er sonst auch hieß, konnte er einmal durch das lange Laufen im Laufrad, welches den Blasebalg betätigte, nicht mehr, dann wurde er gescheucht, und das ging wortlos, mit einer kleinen Schaufel heißer Asche. Wenn es Nacht war, wurde das Feuer "zugedeckt", quasi gelöscht.

Schweigend und unzufrieden ging es nicht etwa zu Bett, sondern auf die hölzerne Bank- Sie war dicht an die Wand gerückt, an deren Seite der Schornstein mit der Esse war.

Da lag das eine Glück des Nagelschmiedes, und das andere? Das war der Schnaps der bei den meisten wegen der angegriffenen Gesundheit nach einem kräftigen Schluck einen Hustenanfall auslöste.

Tagsüber gab es wenig zu essen, oft tagelang nur Roggenbrot und Pellkartoffeln. Und dieses Leben für eine Leistung von mehreren tausend Nägeln am Tag, im Schnitt ein Nagel alle 12 Sekunden. Und wie wird dieses Leben im Heimatbuch beschrieben?

"Pink, pink, pink, pink! Der Nagelschmied ist an der Arbeit. .. " und ". . .unser Meister mit der Lederschürze steht da vor der Esse..." und..- "etwa 1,20 Meter hohes Holzrad, in dem ein mittelgroßer Hund dauernd läuft. Er häIt das Rad in Bewegung; und wenn er seine Arbeit etwas gemütlicher machen will, ein "Na, flä" des Alten ermuntert seinen treuen Helfer immer wieder,.. " und "

. . . das abgeteilte Stück wird durch Auf- und Abbiegen abgetrennt und der fertige Nagel fliegt durch eine Leichte Bewegung des Meisters in die davorstehende Sammeldose. So fertigt der Nagelschmied im Handwerk die verschiedensten Nagelsorten.

(aus: Gunter Altenkirch, Jürgen Maurer, Anja Rixecker; Nägel und Nagelschmiede mit einer besonderen Betrachtung der Nagelschmiede aus dem Raum Nonnweiler-Hermeskeil-Bierfeld; 1989)