Szenenbeschreibung:

Die Familie sitzt beim Mittagessen zusammen.
Die Kinder erzählen von der Schule.

Ein Brief von Johannes aus Amerika ist gekommen.

Erzähler

In der Küchenstube sind Oma Elisabeth  und Anna die Frau von Peter. Oma  sitzt auf einem Lehnstuhl nahe beim Holzofen und stopft Löcher an einer Hose .

Anna steht am Herd und rührt die Kartoffelsuppe in dem großen Topf um.

Die Küchenstube ist das größte Zimmer im Haus. In der Mitte steht ein langer einfacher Holztisch. Links und rechts vom Tisch sind vier blanke Holzbänke an den Kopfenden sind jeweils zwei Holzstühle.

An der Wand gegenüber dem Herd steht ein Schrank aus Fichtenbrettern und daneben eine kleineres Schränkchen.

In der Stube sind zwei Türen. Eine geht direkt nach draußen zur Strasse, die andere in den Stall.

Im Stall steht eine Kuh. Aus einem kleinen Verschlag hört man das grunzen von drei Schweinen. Fünfzehn Hühner gehören auch noch zum Viehbestand, sowie ein Pferd im Holzverschlag hinterm Haus.

Die jüngste Tochter von Peter und Anna, sie ist gerade mal 7 Monate alt, schläft in einem großen Weidenkorb der auf einem kleinen Tischchen in der Ecke neben dem Herd steht.

Peters dreijährige Tochter Gretchen spielt mit ihren Cousins Pittchen und Christian, die drei und zwei Jahre alt sind. Sie bauen vor dem Küchenschrank Türme aus Holzstückchen.

Der kleine Karl kommt gerade zur Stubentür rein.

Anna

Karl mach doch die Tür wieder zu, es wird doch kalt.

Karl (Kind)

Karl drückt die Holztür zu.

Anna

Hast Du Papa und Onkel Heinrich bescheid gesagt?

Karl (Kind)

Ja. Ich soll sagen sie kommen gleich.

Erzähler

Karl läuft rüber zu den drei Kleinen und nimmt ein Holzklötzchen, mit dem die drei gerade spielen, in die Hand.

Margarethe (Kind)

(kreischend) das gehört mir

Oma

Karl, gib ihr das wieder zurück

Erzähler

Die anderen drei größeren Kinder Heinrich 13, Maria 9 und  Johann 7 stürmen zur Tür herein.

Anna

Heeeh! langsam ihr drei.

Wie war es denn heute in der Schule?

Johann (Kind)

Ich habe heute einen weiteren Buchstaben gelernt Das O. So wie Oma (und lacht)

Maria (Kind)

Der Lehrer hat uns eine Karte von Amerika gezeigt.

Das ist vielleicht groß! Größer noch als Damflos und Züsch zusammen.

Und gaanz weit weg.

 

Heinrich (Kind)

Du hast doch keine Ahnung. Das ist noch viel viel größer.

Und zwischen uns und Amerika liegt ein ganz großes Meer. Der Atlantik.

Oma

Was ihr so alles jetzt in der Schule lernt.

Lernt ihr auch wenigstens noch etwas praktisches. Wie man Löcher in der Hose stopft und die Hühner füttert?

Anna

Aach Oma!

Oma

Ist doch wahr! Und Amerika! Da laufen sie jetzt alle hin. Muss das denn sein?

Erzähler

Peter und Heinrich kommen in die Stube und setzen sich auf einen Stuhl an den Kopfenden des Tisches.

Peter

Na Anna was hast Du uns denn gutes gekocht?

Anna

Etwas ganz leckeres. Katoffelsuppe und Brot gibt es.

Johann (Kind)

Schon wieder Kartoffelsuppe!!

Anna

Maria! Holst mal noch die Löffel aus der Schrankschublade! Ich würde ja gerne noch ein Stück Fleisch dazu machen, aber das gibt es erst wieder am Sonntag. Etwas besseres kann ich Euch heute nicht anbieten.

Peter

Schon gut.  Nächste Woche werden wir ein Schwein schlachten.

Heinrich (Kind)

Darf ich dann beim Wurstmachen helfen?

Peter

Ja. Dass will ich doch hoffen. Da wird die ganze Familie helfen. Iss jetzt Deine Suppe.

Heinrich

Wo ist denn meine Frau die Margret?

Oma

Die ist vor einer halben Stunde zum Platz wo die Postkutsche hinkommt.

Heinrich

Dann müsste sie ja gleich wieder zurück sein.

Erzähler

Anna fängt schon einmal an, die Kartoffelsuppe in die Teller zu füllen.

Anna

Was ist mit Euch dreien da hinten. Wollt ihr nicht an den Tisch? Jetzt aber flott.

Erzähler

Die Kinder lassen ihre Holzklötzchen fallen und krabbeln auf die Bank Die Tür geht auf und Margret kommt in die Stube. Sie hat einen Umschlag in der Hand und wirkt ganz aufgeregt.

Margret

Was glaubt ihr was heute mit der Post gekommen ist?

Heinrich

Komm erst mal rein und setze dich mal erst hierhin.

Margret

(Schwenkt mit dem Umschlag) Der kommt von ganz weit her.

Peter

Jetzt mach es nicht so spannend. Ist er von Johannes?

Heinrich

Wirklich? Zeig mal her.

Mutter! Der Johannes hat aus Amerika geschrieben!

Oma

Mein Junge! Warum musste er soweit von uns weg? Margret lies doch mal vor was er schreibt. Ich hab’ das lesen ja nicht gelernt.

Erzähler

Margret nimmt ein Messer vom Tisch und öffnet den Umschlag.

Peter

Wo kommt der Brief denn genau her? Schau mal auf den Umschlag.

Erzähler

Margret dreht den Umschlag um und liest

Margret

Auf dem Stempel steht  -- I -LL_I_NO_IS

Maria (Kind)

Illinois! So etwas hat der Lehrer heute auch gesagt. Er hat es auf der Karte gezeigt.

Das war ganz oben auf der Karte

Peter

Gut Maria. Da hast Du aber gut aufgepasst.

Na dann lies mal vor Margret

Erzähler

Margret nimmt einen Bogen Papier aus dem Umschlag und faltet ihn auf.

Dann beginnt sie zu lesen.

Margret

Also ich lese jetzt vor

Heinrich

Ja, ja jetzt mach doch schon

Margret

Also

 

Liebe Mutter

Liebe Geschwister und alle ihr Lieben zu Hause

Wir sind nun seit drei Wochen in der neuen Welt – in Amerika.

Am 8 Oktober sind wir mit dem Segelclipper „Josephine“ von Antwerpen losgesegelt. Mit auf dem Schiff waren noch viele andere Deutsche.

Viele waren aus der Pfalz .

Das Meer ist schon sehr groß. Die Wellen haben uns ganz schön durchgeschaukelt. Magdalena war die ersten drei Tage auf See ganz schön seekrank. Aber danach ging es dann wieder. Mir hat das gar nichts ausgemacht.

Am 28. Oktober sind wir in New York angekommen und in Castel Garden an Land gegangen.

New York ist eine riesige Stadt mit Häusern so hoch wie Berge.

Das könnt ihr Euch gar nicht vorstellen.

Es sind sehr viele die nach Amerika kommen.
Aus England, Irland, Frankreich und vor allem aus Deutschland. Wir haben uns einer Gruppe von Familien aus der Pfalz angeschlossen die mit Planwagen zu den großen Seen gezogen sind.

Wir waren 2 Wochen lang unterwegs. Wir sind durch ein weites großes Land gefahren. An Feldern vorbei die bis zum Horizont reichen. Ein großer See sind wir gezogen, man hat nennt ihn Michigan See. Ein See so groß wie ein Meer. Es ist alles so viel größer hier als zu Hause in Damflos. Magdalena und ich sind begeistert.

Magdalena und ich sind dann mit einem Boot bis zu einer Stadt mit Namen Chicago.   Ich habe Arbeit auf einem Bauernhof gefunden, man nennt das dort „Farm“. Die Besitzer sind Deutsche die vor 20 Jahren schon nach Amerika sind.

Es ist schön hier. Ich werde mein Geld sparen damit ich mir bald eigenes Land kaufen kann.

Es grüßt Euch aus Amerika Euer Euch liebender

Johannes mit Frau

Anna

Das hört sich sehr gut an.

Oma

Da bin ich aber froh dass es meinem Jungen gut geht.

Anna

Amerika – weites Land – das würde mich auch mal interessieren

Karl (Kind)

Können wir da morgen mal hingehen?

Peter

Nun Kinder! Wenn wir nach Amerika gehen würden, das ist so weit weg, dass wir wahrscheinlich nicht mehr nach Damflos zurückkommen würden.

Heinrich

Ich hätte auch gar nicht vor wieder zurückzukommen.

Ich würde mir in Amerika eine große Farm kaufen und Rinder züchten

Und bestimmt keine Eisennägel mehr machen.

Peter

Ach Heinrich wovon träumst Du?

Wo willst Du das Geld her nehmen um soviel Land zu kaufen.

Heinrich

Ich habe beim Hannes in der Zeitung gelesen, dass man sogar Land vom Staat in Amerika fast geschenkt bekommt. Man kann es für ganz wenig Geld kaufen oder wenn man mindestens fünf Jahre das Land bewirtschaften bekommt man es sogar umsonst.

Anna

Ist das wahr? Das kann ich gar nicht glauben.

Heinrich

Ja. Ich hab’s doch gelesen.

Peter

Hat auch dringestanden wo das ist und wie man da dran kommt?

Heinrich

Ääh. Nein

Peter

Na siehst Du. Ob das wirklich alles so stimmt kannst Du also auch nicht sagen.

Anna

Aber wenn das nun doch stimmt?

Oma

Jetzt hört doch mal auf mit diesem ganzen Amerika-Geschwätz.

Ihr könnt doch nicht alle auf einmal von hier davonlaufen.

Jetzt essen wir erstmal was.

Peter

Ja Mutter.

Essen wir mal was. Wir,  Heinrich und ich müssen heute noch die 2000 Nägel fertig machen. Das ist jetzt wichtiger als über Amerika zu phantasieren.

Erzähler

Margret steckt den Brief wieder in den Umschlag und legt ihn auf das kleine Schränkchen. Jeder löffelt an seiner Suppe.

Aber man spürt, dass das Thema noch lange in ihnen weiterarbeitet.

Anna nimmt den Laib Brot und schneidet jedem Kind einen Kanten davon ab.

Als Peter und Heinrich ihren Teller geleert haben stehen beide fast gleichzeitig auf.

Peter

Komm Heinrich wir haben noch zu tun.

Erzähler

Beide gehen aus der Stube und ziehen die Tür hinter sich zu.