Peter und Heinrich sind auf dem Deck, als gegen 5 Uhr sich schwarze Wolken im Westen herauf zu wälzen beginnen. Der Wind, plötzlich von Osten nach Südwesten umspringend, wird innerhalb einer halben Stunde so heftig, daß die ganze Mannschaft mit vereinten Kräften die Segel nicht schnell genug einziehen kann.

In weniger als fünf Minuten hat der Wind deren drei in tausend Fetzen zerrissen und nur mit der größten Anstrengung können sie ihm die übrigen noch entreissen.

Immer unruhiger bewegt sich das Schiff. Größer und größer und tausendfach verschieden gestaltet tauchen die Wellen aus dem Meere auf. Immer ungestümer blasen die Winde. immer höher und wilder wogt die See und immer dunkler wird der Himmel.

Der Matrose am Steuer hüllt sich in eine von Schmutz gefettete Jacke. Die Passagiere müssen in das Zwischendeck zurück und alle Luken werden vorsichtshalber verschlossen. Peter und Heinrich können sich von dem großen Schauspiel nicht losreißen. Anna und Margarethe flehen sie an doch unter Deck zu kommen.

Der Wind fängt nun fürchterlich an zu toben und wirft die Wellen wütend durcheinander. In allen Fugen des Schiffes kracht es. Immer rasender stürmt der Ozean mit entfesselter Wut ungeheure Wasserberge gegen die Harriett Hoxie, die sie jeden Augenblick zu verschlingen drohen.

Gegen 6 Uhr umhüllt das Schiff dichte Finsternis. Die Matrosen können sich nicht mehr aufrecht halten.

Kaum sind Peter und Heinrich unter Deck, als ein entsätzlicher Schlag auf das Verdeck des Schiffes donnert. Fürchterlich und laut hört man ein durchdringendes Angstgeschrei unter den Passagieren. 

In dem selben Augenblick tritt der Kapitän ganz durchnäßt in das Zwischendeck. Er lacht echt seemännich über die Verwunderung und Ängste der Passagiere. Er bedauert nur, daß sie eine solche Taufe nicht mitbekommen hätten.

Schlag auf Schlag stürzen jetzt die tobenden Wellen mit wildem Rauschen über das Schiff und schaurig heult der Sturm durch die Takelage. Die Matrosen schreien lärmend durcheinander.

Alles was beweglich oder nur schwach befestig ist wird bei den furchtbaren Stößen die das Schiff erhält losgeriffen und umhergeschleudert. Der Kapitän kommt von Zeit zu Zeit herab um über das Getöse und das Geschrei auf dem Verdeck zu beruhigen. So dauert es die ganze Nacht hindurch an. Keiner kann nur ein Auge zutun, denn alle müssen sich irgendwo festhalten, um nicht selbst umhergeschleudert zu werden. Gegen zehn Uhr läßt der Sturm etwas nach um gegen Mittag aufs Neue mit doppelter Wucht zurück zu kommen. Erde und Himmel türmen sich ununterbrochen noch zwei weitere Nächte und zwei Tage auf, bis der Wind sich ebenso plötzlich legt wie er drei Tage vorher entfesselt heranstürmte.

Um Mitternacht weht kein Lüftchen mehr.