Es ist noch nicht Mittag. Die Auswanderergesellschaft steht am Quai und sieht sich um.

Es ist sehr geschäftig im Hafen von Koblenz. Ein Rheindampfer kommt soeben angerollt. Menschen mit Koffern und Taschen drängen sich um die Anlegestelle.

 

Heinrich

Wie weit der wohl fährt?

Margret

Ich frage mal die Leute davorne. Halte mal die Kleine.

Erzähler

Margret läuft zu den Leuten mit den Taschen und Koffern.

Margret

Entschuldigen Sie. Können Sie mir sagen wo das Dampfboot hinfährt?

Mann aus der Gruppe

Bis nach Holland. Bis nach Dordrecht.

Margret

Fahren sie bis dorthin?

Frau aus der Gruppe

Ja, wir wollen nach Antwerpen.

Margret

Wir auch. Danke.

Wollen Sie auch nach Amerika?

Frau aus der Gruppe

Ja, wir kommen aus der Pfalz. Wir sind gestern hier in Koblenz angekommen und fahren heute weiter.

Margret

Glauben Sie wir können auf dem Boot noch mitfahren?

Mann aus der Gruppe

Das weiß ich nicht.

Fragen Sie doch mal beim Bootskapitän nach?

Margret

Danke.

Erzähler

.. und rennt zurück zu ihren Leuten.

Margret

Das sind auch Leute die nach Amerika wollen.

Fragen wir doch mal beim Kapitän nach ob wir mitfahren können.

Heinrich

Wo ist der denn, denn wir fragen können?

Margret

Weiß ich nicht. Auf dem Schiff villeicht?

Peter

Bis wohin fährt den der Dampfer? Was kostet das denn wenn wir mit dem hier fahren?

Anna-Maria

Peter. Frag doch mal.

Peter

Also gut.

Erzähler

Das Dampfschiff hat inzwischen angelegt.

Einer vom Schiffspersonal kommt an den Landungssteg und spricht mit einem Mann aus der Menschengruppe. Er zeigt ihm ein Papier und winkt dann der Gruppe zu auf das Boot zu kommen.

Als alle über den Steg in das Boot gelangt sind geht Peter zu dem Mann der noch immer am Landungsteg steht und das AnBordGehen kontrolliert hat.

Peter

Guten Tag. Sind Sie der Kapitän des Bootes?

Dampfschiffofficier

Nein nein (und lacht). Ich bin der erste Officier auf diesem Dampfboot.

Haben Sie eine Fahrkarte?

Peter

Nein noch nicht. Wo kann man denn die Fahrkarten kaufen?

Dampfschiffofficier

In dem Gebäude da drüben. (und zeigt mit ausgestrecktem Arm auf ein Fachwerkhaus)

Peter

Danke. Wo genau fährt das Dampfschiff den hin?

Dampfschiffofficier

Bis nach Dordrecht und dann wieder zurück.

Peter

Was kostet denn eine Fahrkarte?

D.h. wir sind drei Familien mit Frau und Kindern.

Dampfschiffofficier

Gehen Sie am besten in das Office da drüben. Da wird man Ihnen weiterhelfen und die Fahrkarten verkaufen.

Wir legen allerdings in einer halben Stunde wieder ab. Sie müssen sich beeilen.

Peter

Danke

Erzähler

Peter Heinrich und Pitt begeben sich zusammen in das Office

Sie fragen nach den Fahrkarten.

Nach einigem Verhandeln und Erklären erstehen sie für die ganze Gruppe noch Restplätze in der dritten Klasse.

Peter

So nun aber schnell, dass und das Boot nicht davonfährt.

Heinrich

Das war jetzt zwar nicht ganz billig, aber wir gewinnen dadurch eine Menge Zeit.

Peter

Auf geht’s

Erzähler

Peter läuft vor, zu dem Officier, der noch immer am Anlegesteg steht und zeigt ihm die Schiffskarten.

Dann winkt er alle herbei und sie betreten zum ersten mal in ihrem Leben ein richtiges Dampfschiff.

Ein tolles Gefühl. Jetzt hat das Abenteuer Auswanderung so richtig begonnen.

Mit Sack und Pack und ihrer selbstgezimmerten Transport- und Proviantkiste führt sie ein Mitglied des Schiffspersonals in die unteren Decks wo die Reiseplätze für die dritte Klasse sind.

Es sind noch andere Passagiere dort die sich schon auf den Bänken eingerichtet haben.

Ein paar Plätze sind noch frei die sofort von den drei Familien in Beschlag genommen werden.

Kaum haben sie sich niedergelassen als auch schon die Dampfsirene des Bootes ertönt. Es rückelt etwas und das Boot scheint sic h zu bewegen.

Margret

Es geht los

Anna

Ja, ich glaube auch. Wir haben abgelegt.

Frau aus der Gruppe der anderen Paasagiere (Erna)

Ist wohl Eure erste Fahrt.

Wo geht es denn hin?

Margret

Wir fahren nach Amerika.

Erna

Alle Achtung. Und das gleich mit der ersten Fahrt auf einem Schiff.

Mein Mann und ich. Wir steigen in Köln wieder aus.

Andere Frau aus der Gruppe der Passagiere (Gertrud)

Nach Amerika?

Margret

Ja

Gertrud

Wir auch. Mein Mann, ich und unsere drei Kinder.

Wir sind aus der Pfalz. Und ihr?

Margret

Wir sind aus Damflos.

Gertrud

Wo ist denn das um Himmelswillen?

Margret

Das ist im Hochwald, im Hunsrück.

Gertrud

Auch so eine arme Gegend wie bei uns.

Anna

Wir hoffen, dass es uns in Amerika besser gehen wird.

Erna

Da müsst ihr aber eine Menge Gottvertrauen haben.

Na, ich wünsche Euch alle Gute.

Gertrud

Sie sind aber pessimistisch.

Erna

Ich habe so meine Erfahrungen gemacht.

Margret

Besser als hier wird es allemal.

Gertrud

Genau. Überall findet man etwas besseres als den Tod.

So steht es schon in der Geschichte von den Bremer Stadtmusikanten.

Erzähler

Die Unterhaltung geht auf diese Weise noch eine ganze Weile weiter.

Gertrud und Margret lassen sich nicht verdrießen.

Das Schiff fährt ruhig auf dem Rhein dahin. Man hört das Stampfen der Dampfmashine und das Schaufeln des großen Wasserrades.

Peter ist derweil mit Karlchen auf das Oberdeck und sehen sich die Rheinlandschaft an.