Gut fünf Stunden sind sie jetzt schon unterwegs und erreichen die Mosel-Anlegestellen im Hafen von Trier.
Hier kennen sich Peter und Heinrich aus. Hier hatten Sie Ihre Eisenstäbe für die Schmiede eingekauft. An den Anlegestellen liegen wie gewohnt die Moselfrachter, die Personenschiffe, auch Eilyachten genannt und kleine Ruderboote.
Seit einigen Jahren legt das Dampfschiff "Ville de Metz" im Hafen von Trier an das regelmäßig die Strecke von Metz nach Koblenz fährt. Schon von Weitem ist der ankommende Moseldampfer zu sehen. Dicker Rauch steigt aus dem Schornstein und man sieht wie die großen Schaufelräder sich drehen.

Von allen Seiten kommen die Leute herbeigelaufen und bestaunen das imposante Ereignis, wie es sich mit langsam drehenden Schaufelrädern der Anlegestelle nähert.

Auch Peter und Heinrich haben die Ankunft des Dampfbootes erst einmal gesehen. Anna Maria, Margret und Maria sind ganz fasziniert und auch die Kinder machen große Augen als das schornsteinrauchende und laut stampfende Ungetüm heranfährt.

Anna-Maria

Schau mal Karlchen. 

Karlchen (Kind)

ohhh Mama. Ist das ein Schiff?

Anna-Maria

Ja. So etwas habe ich auch noch nicht gesehen.

Peter

Das ist das neue Dampfschiff. Es fährt einmal die Woche von Metz nach Koblenz und wieder zurück.

Margret

Werden wir damit bis nach Koblenz fahren?

Heinrich

Das wäre schön. Aber das können wir uns leider nicht leisten.

Karlchen

oh schade

Peter

Seht. Ein paar Meter weiter liegt ein Moselfrachter.
Der Bootsmann ist gerade dabei seine Fracht einzuladen.
Ich gehe mal zu ihm hin und frage ihn ob er uns vielleicht ein Stück moselabwärts mitnehmen kann.

Peter

Heinrich kommst Du mit. Wir fragen mal da drüben nach ob man uns ein Stück mitnimmt.

Hannes

Papa, darf ich auch mit?

Peter

Ja gut. Springe runter vom Wagen.

Erzähler

Peter geht auf den Bootsmann zu.

                    

Peter

Guten Tag. Ist das hier ihr Boot?

Bootsmann

Ja. Warum fragt ihr?

Peter

Da drüben sind meine Leute.

Wir sind unterwegs nach Amerika

Bootsmann

Bis Amerika fahre ich mit meinem Kahn aber bestimmt nicht.

Bis nach Koblenz und dann wieder zurück.

Peter

Hättet ihr noch Platz für uns und würdet uns bis nach Koblenz mitnehmen?

Bootsmann

Wieviele seid ihr denn?

Peter

Sechs Erwachsene und zehn Kinder.

Bootsmann

Da scheint ja ein halbes Dorf auszuwandern.

Bis Koblenz kann ich Euch mitnehhmen.

Die Kinder umsonst und für Euch sechs Erwachsenen zusammen 3 Thaler.

Peter

Hmm 3 Thaler.

Bootsmann

Wenn ihr wollt könnt ihr auch zu Fuß bis Koblenz.

Peter

Und wenn wir Männer beim Verladen der Fracht helfen?

Bootsmann

Na gut. Ich habe heute meinen großzügigen Tag. Die Säcke und die Fässer die am Ufer stehen müssen noch eingeladen werden. Bringt die Sachen auf das Boot und dann können wir ablegen und ihr seid mit 1 Thaler dabei.

Heinrich

Abgemacht. Ich sage den anderen Bescheid.

Erzähler

Die Familie steht noch immer staunend da und sieht dem dem großen Moseldampfer zu. Das Schiff hat inzwischen angelegt und Männer, Frauen und Kinder kommen den Anlegesteg herunter.
Es sind durchweg sehr gut gekleidete Leute. Die Männer in Anzug und Mantel, die Frauen in schicken Kleidern und einige auch mit Hut auf dem Kopf. Es sind vor allem Reisende aus Metz, Geschäftsleute und Weinhändler.

Heinrich

Der Moselkahn da drüben nimmt uns alle bis nach Koblenz mit.

Erzähler

Die Männer laden die Fracht in das Boot und die Frauen machen es sich mit den Kindern inzwischen gemütlich im hinteren Teil des Frachtkahns.

Eine halbe Stunde später geht es schon los. Der Bootsmann zieht das kleine Segel auf und schon geht es in mäßiger Fahrt moselabwärts.

Die Fahrt auf dem Schiffchen ist es zwar etwas beengt, aber alle sind froh gelaunt und guten Mutes.

 

Hier noch ein paar Eindrücke von der Mosel, anderen Schiffen und Vorbeiziehenden Weinbergen

 

Gegen Abend haben sie Winningen erreicht und machen hier halt.

Bootsmann

Zur Übernachtung kann ich Euch den Gasthof „Goldener Anker“ empfehlen. Das ist für die Frauen und Kinder besser als hier auf dem Boot zu übernachten.

Ich bleibe hier. Einer muss ja auf die Ladung aufpassen.

Peter

Das ist ein guter Vorschlag.

Wenn es Ihnen nichts ausmacht, leiste ich Ihnen Gesellschaft. Zwei die das Boot bewachen ist besser als nur einer.

Bootsmann

Gerne.

Peter

Heinrich, Pitt. Ihr geht mit den Frauen ins Gasthaus.

Ich bleibe hier und bewache unsere Sachen mit.

Heinrich

Ja gut. Ich bringe Euch nacher noch einen Krug Viez ans Boot.

Bootsmann

Viez gibt es hier nicht. Wein wäre aber auch in Ordnung.

Erzähler

Die beiden Männer mit den Frauen und Kindern sind in den Ort.

Es ist ruhig an der Anlegestelle. Die Moselwellen schlagen an die Bootsplanken, aber sonst ist still. Nur die Lichter aus dem Ort sieht man und hie und da eine Stimme herüberklingen.

Peter und der Bootsmann machen es sich gemütlich.

Bootsmann

So. Ihr wollt also mit Kind und Kegel nach Amerika.

Glaubst Du denn dass es dort besser ist als hier?

Peter

Ich hoffe doch sehr.

Bootsmann

Ein solches Abenteuer würde ich in meinem Alter nicht mehr wagen. Als Frachtschiffer auf der Mosel kann ich ganz gut davon leben. Die Arbeit ist nicht leicht. Aber wo gibt es schon leichte Arbeit. Nebenher baue ich noch einwenig Weintrauben an. Vom Zuverdienst aus dem Wein komme ich mit meiner Famile einigermaßen über die Runden.

Peter

Du hast noch ein Weingut?

Bootsmann

Weingut ist etwas übertrieben. Es reicht für etwa 2 Hektoliter Wein. Mehr ist es nicht.

Was habt ihr so gemacht, bevor ihr Euch für’s Auswandern entschieden habt?

Peter

Ich bin Nagelschmid und zusammen mit meinem Bruder haben wir Nägel für Schuster und Zimmerleute gemacht.

Aber die Nagelschmide bringt nichts mehre ein und so haben wir ...

Erzähler

So unterhalten sich die beiden Männer noch eine ganze Weile und erzählen sich ihre Lebensgeschichte.

Der eine vom Hierbleiben und der Andere von der Hoffnung auf ein besseres Leben in der neuen Welt.

Die Nacht vergeht. Alles ist ruhig geblieben und am Morgen kommen die anderen zurück zum Boot.

Koblenz ist nicht mehr allzu weit und man erreicht noch am frühen Vormittag die Anlegestellen.

Hier ist die Fahrt auf dem kleinen Moselfrachtschiffchen zu Ende.

Bootsmann

So. Hier müsst ihr nun sehen wie ihr weiterkommt.

Ihr könnt von hier den Rhein abwärts mit einem der neuen Dampfschiffe fahren oder versuchen auf einem der vielen Rheinfrachter mitzukommen.

Auf jedenfall wünsch ich Euch eine gute Weiterreise und viel Glück in Amerika.

Erzähler

Peter, Heinrich und Pitt packen ihre Sachen auf den Quai und alle verabschieden sich herzlich von dem Bootsmann.