Es ist Mitte Mai

Der Tag der Abreise rückt immer näher.

Peter und Heinrich haben letzte Woche die letzte Auslieferung an Nägel nach Trier gebracht.

Bei dieser Gelegenheit hatten sie auch den Auswanderungsagenten Lenz aufgesucht.

Als sie jedoch erfuhren, was es kosten würde, wenn er für die Familien die Reise zum Hafen nach Antwerpen und die Überfahrt organisiere, haben sich Peter, Heinrich und ihr Schwager kurzerhand entschlossen es selbst in die Hand zu nehmen. Schließlich wollte man sein Gespartes für wichtigeres in Amerika aufbewahren.

Anstatt mit Postkutschen nach Antwerpen zu reisen wollte man lieber den Umweg über die Flüsse Mosel und Rhein nehmen und so wie es möglich sei auf Frachtkähnen reisen.

Zur Not könne man sich auch ein Fuhrwerk organisieren und auch zu Fuß gehen.

Die Vorbereitungen verliefen prächtig.

Die Männer zimmerten stabile Reisekisten aus Holz. Die Frauen bereiteten Proviant für die lange Reise vor.

Eingekochtes Obst, Marmelade, Sauerkraut, Pökelfleich.

Die Schinken und Würste hingen noch im Räucherkamin.

Oma Elisabeth strikte Strümpfe und Pullover für die Kinder.

Anna Maria nähte Kleider, Hosen.

Peter besorgte beim Schumacher Schabbach Schuhe.

Heinrich verkaufte noch seinen Kartoffelacker an den Jäp und Hammer, Amboss und die verbliebenen Eisenstäbe an die Nagelschmieden in Hermeskeil.

In ein paar Tagen wollten insgesamt 4 Familien aus dem Dorf und ein Junggeselle aus Abtei sich auf den Weg nach Amerika machen.

Am Vorabend der Abreise versammelten sich noch einmal alle Auswanderer vor dem Gasthaus des Johannes Düpre um anschließend ein letztes mal durch die Straßen zu ziehen und auch auf dem Friedhof ein paar letzte Blumen auf die Gräber der Verstorbenen der Familie zum Abschied zu legen.

Als sich alle wieder vor dem Gasthaus zusammengefunden hatten war auch der Lehrer mit einer kleinen Gruppe seiner Schüler eingetroffen.

Nahezu das ganze Dorf hat sich versammelt um den Amerikafahrern Lebewohl und Glück zu wünschen.

Auf das große Bierfass vor dem Haus steigt der Lehrer und beginnt eine Rede zu halten.

Lehrer

Meine lieben Auswanderer, die ihr in einigen Stunden Euch aufmachen werden in eine Neue Welt, in ein Land das man Amerika nennt.

Ein Land in das schon viele aus unserem Dorf gegangen sind.

Ein Land das noch keiner von uns gesehen hat und doch soviele Hoffnungen weckt. Amerika, so erzählen die Briefe die wir aus Amerika erhalten haben und auch in den Büchern und Zeitungen liest man, dass dort das Land ist wor Milch und Honig fließen.

Die Hoffnung, daß auch ihr, weit hinter dem großen Ocean Atlantik, ein besseres und leichteres Leben findet werdet ist Ansporn das große Wagnis einzugehen.

Es erfordert Mut sein Schickssal so beherzt in die eigenen Hände zu nehmen und fernab der vertrauten Heimat ein neues Leben zu beginnen.

 

Wir stehen hier um Euch Glück, eine wohlbehaltene Überfahrt und Wohlergehen in Eurer baldigen neuen Heimat zu wünschen und dass alle Eure Hoffnungen auf eine bessere Zukunft in Erfüllung gehen werden.

Margret

Das hat er aber wirklich schön gesagt.

Lehrer

Zum Abschied haben die Kinder ein Liedchen einstudiert.

 

Der Lehrer dreht sich zu den Kindern. Hebt beide Arme und die Kinder stimmen das Lied „Wir fahren nach Amerika“ an.

Als das Lied verklungen ist sieht man nicht nur bei den Auswandereren ein paar Tränchen in den Augen.

Johannes Düpre, der Wirt kommt noch mit Schnapsflaschen und Gläsern aus seiner Wirtschaft.

Joh. D.

Damit ihr Euch immer an Eure Heimat und an Euer Dorf Damflos erinnern möget.

Lasst uns ein letztes mal zusammen ein Gläschen trinken.

Noch eine ganze Weile stehen die Leute zusammen und Unterhalten sich.

Natürlich über Amerika.

Noch ein letztes mal in den alten Betten schlafen und dann geht es los.