Der März ist fast vorüber. Vor ein paar Tagen sind die Auswanderungspapiere eingetroffen.

Anna Maria und Margret sind mit den Vorbereitungen für die große Reise beschäftigt.

Sie nähen Hosen, Hemden und Kleider. Oma Elisabeth strickt Strümpfe und hat auch schon drei Polluver für die Kinder fertig.

Würste und zwei große Schinken hängen im Räucherkamin. Pökelfleisch ist eingelegt.

Auch die Nachbarn helfen wo sie können.

Soviele Auswanderer auf einmal gab es seit über hundert Jahren nicht mehr, als viele Familien nach Ungarn ins Banat gezogen sind.

 

Auch der Lehrer hat das Thema Auswanderung nach Amerika als Stoff für seinen Schulunterricht aufgenommen um seinen Schülern etwas über dieses Land beizubringen.

 

Er ist seid einigen Wochen ein vielgefragter Mann bei den Auswandererfamilien.

Heute Abend ist er zu den Munos eingeladen.

 

Anna Maria ist gerade noch dabei den Tisch in der Stube herzurichten als schon ihre Schwägerin Maria und ihr Mann Peter die Tür hereinkommen.

Anna Maria

Ihr kommt gerade richtig.

Maria, kannst du mir gerade noch helfen den Tisch decken.

Im Schränkchen stehen die Becher für den Viez. Holst Du sie mir eben?

Maria

Sicher. Kann ich sonst noch etwas helfen?

Anna Maria

Du kannst das Brot noch aufschneiden.

Ich hole noch den Griebenschmalz. Den mag doch der Lehrer so gern.

Peter K.

Ich suche mir schon mal einen Platz, damit ich Euch nicht in den Füßen stehe.

Maria

Mach das.

Peter K.

Wo sind denn Peter und Heinrich?

Anna Maria

Die beiden sind noch hinterm Haus.

Peter K.

Soll ich den beiden noch etwas helfen?

Anna Maria

Nein nein. Du kannst ruhig hier sitzen bleiben. Die beiden müssten gleich reinkommen. Oder doch. Stell mir noch den schweren Wäschekorb drüben in die Kammer. Dann ist hier mehr Platz.

Maria

Wann wollte denn der Herr Lehrer da sein?

Anna Maria

Schau mal auf die Uhr. Er sagte er käme so gegen halb acht.

Maria

Es ist jetzt ein paar Minuten nach sieben.

Plötzlich füllt sich die kleine Küchenstube.

Margret kommt mit den Kindern. Oma Elisabeth bringt aus dem Stall frisch gemolkene Milch und stellt den Krug auf den Tisch.

Peter und Heinrich sind jetzt auch da. Jeder hat einen großen Krug Viez in der Hand und stellen jeweils einen an jedes Tischende.

Jeder sucht sich einen Platz rund um den langen Holztisch.

Oma Elisabeth beansprucht wie immer ihren Lehnstuhl am Küchenherd.

Die Kinder sitzen wie auf einer Vogelstange auf der einen Bank vor dem Tisch.

Peter setzt sich wie immer an seinen Platz am Kopfende. Nur das andere Kopfende bleibt noch frei, der Stuhl ist für den Lehrer reserviert.

Alle anderen suchen sich einen Platz am übrigen Teil des Tisches.

Die Stube ist proppenvoll und alle sind gespannt darauf, was der Lehrer ihnen über Amerika erzählen kann.

Endlich klopft es an die Tür. Peter öffnet und bittet den Lehrer herein.

Peter

Herr Lehrer. Kommen Sie doch herein. Es sind schon alle da. Den Platz hier am Tisch haben wir für Sie freigehalten.

Lehrer

Das ist sehr freundlich.

Guten Abend zusammen.

Anna Maria

Herr Lehrer nehmen sie hier Platz.

Darf ich Ihnen einen Becher selbstgemachten Viez anbieten?

Lehrer

Vielen Dank Anna Maria. Gerne.

Und vielen Dank für die Einladung.

 

Peter und Heinrich füllen die übrigen Becher mit Viez. Margret schenkt den Kleinen frische Milch ein.

Peter

Wir haben zu Danken Herr Lehrer, dass Sie sich die Zeit genommen haben heute zu uns zu kommen. Wir sind alle schon sehr gespannt auf das, was Sie uns über Amerika erzählen können.

Aber nehmen wir doch erstmal einen kräftigen Schluck.

Lehrer

Gerne. Lassen Sie mich mit Ihnen auf die Neue Welt und Euere baldige Heimat in Amerika trinken.

(und hebt seinen Becher)

Peter

Es wird das größte Abenteuer unseres Lebens werden.

Lehrer

Ich werde versuchen Ihre Fragen so gut wie ich es kann zu beantworten.

Aber ihr müsst wissen, dass alles was ich weiß, ich in Büchern und Zeitungen gelesen habe.

Ich selbst war noch nie in Amerika und kann Ihnen somit nichts berichten was ich dort selbst erfahren hätte.

Jedoch viele Eurer Verwandten und auch Euer Johannes, der erst letztes Jahr dorthin ausgewandert ist haben bestimmt Briefe geschrieben und berichtet wie es ihnen ergangen ist.

Margret

Ja, das stimmt Herr Lehrer.

Wir wissen aus ihren Briefen, dass sie in Minnesota sind, dass es ihnen gut geht.

Sie sind Ackerer geworden und bewirtschaften fruchtbares Land. Auf jedenfall ertragreicher als die Hungerfluren hier bei uns in Damflos.

Oder sie haben eine gute Arbeit gefunden.

Heinrich

Das ist richtig. Aber wir würden gerne mehr über dieses Land erfahren.

Peter K.

Damit wir uns ein noch besseres Bild machen können was uns dort erwartet.

Lehrer

Das mit dem fruchtbaren Land, besonders in Minnesota scheint wahr zu sein.

So steht es zumindest in den Büchern, die ich gelesen habe.

In einem Buch steht sogar, dass die Vereinigten Staaten das Paradies für Landwirte sei und der Stand des Landmannes einer der Ehrenhaftesten in der ganzen Union sei.

Hier steht auch, dass der Boden ohne Düngen und schwere Arbeit reichliche Ernten hervorbringt.

Peter

Dann macht es Sinn, wenn man in Amerika die Landwirtschaft betreibt anstatt wie hier man sich krumm und buckelig schindet um für einen Hungerlohn den ganzen Tag in der Nagelschmiede steht.

Lehrer

Das mag durchaus vernünftig sein.

Aber auch tüchtige Handwerker sind in Amerika gefragt.

Heinrich

Wo genau liegt dieses Minnesota? Und was sind die Vereinigten Staaten?

Lehrer

Also Minnesota ist einer der 33 Bundesstaaten der Vereinigten Staaten von Amerika. ES liegt im Norden an den beiden großen Seen. Dem Michigan See und dem Erie-See.

Minnesota ist teilweise eben mit kleinen Anhöhen und Hügeln oh und der Boden soll, wie wir schon gehört haben, vortrefflich sein.

Das Klima ist gemäßigt und nur in den Flusstälern ist es im Sommer drückend und ungesund.

Der bedeutendste Fluß ist der Ohio, von dem das Land auch seinen Namen hat.

Peter K.

Was kann man in dem Land anbauen?

Lehrer

Zumeist baut man Weizen, Mais, Roggen, Gerste, Hafer und Flachs an.

Auch Obst gedeiht vortrefflich und es soll sogar möglich sein, dass man dort Wein anbauen kann.

Anna Maria

Das hört sich ja an, als würden wir in ein Schlaraffenland kommen.

Heinrich

Warum sind wir nicht schon eher von hier fort.

Lehrer

Ihr dürft Euch das aber nicht zu leicht vorstellen.

Auch wenn Amerika ein riesiges Land ist. Dort wo es besonders gut ist, wollen auch viele hin.

Das Land ist sehr begehrt und wenn man als Einwanderer etwas Geld mitbringt kann man Land erwerben und sich dort niederlassen.

Peter

Steht in den Büchern drin wie teuer das Land ist.

Lehrer

In der Nähe der großen Städte ist das Land wesentlich teurer als im Innern des Landes.

Peter

Wieviel?

Lehrer

Für das Acre zahlt man 2 bis 6 Dollar.

Peter

Was ist ein Acre und was ist ein Dollar?

Lehrer

Ein Acre ist ungefähr ein Hektar.

Ein Dollar ist etwa soviel Wert wie 13 Silbergroschen.

Peter

Das hört sich garnicht übel an.

Margret

Spricht man in Amerika auch unsere Sprache?

Lehrer

Wenn Ihr auch nach Minnesota geht, so wie Eure Verwandten und Euer Johannes, dann werdet ihr noch viele andere deutsche Auswanderer dort treffen.

Die eigentliche Sprache in Amerika ist jedoch Englisch.

Peter

Darüber mache ich mir überhaupt keine Gedanken.

Lehrer

Die Deutschen genießen in dort einen sehr guten Ruf.

Maria

Ich bin jetzt noch mehr davon überzeugt, dass unser Entschluss richtig war.

Anna Maria

Da bin ich mir ganz sicher.

Herr Lehrer. Greifen sie doch zu. Nehmen Sie doch noch ein Stück Brot und von dem guten Griebenschmalz.

Lehrer

Vielen Dank. Gerne. Der Schmalz ist wirklich ausgezeichnet.

 

So vergeht der Abend wie im Flug. Bald  schon sind drei Stunden vergangen und der Lehrer beantwortet noch immer bereitwillig alle Fragen.

Ob es noch andere Staaten gibt, wieviele Meilen es von der Ostküste bis zur Westküste sind? Ob man in Amerika auch Steuern zahlen muss... und und und

Die Kinder sind schon lange in ihren Betten als der Lehrer die versammelten Auswanderer wieder verläßt.

Mit viel Zuversicht werden die drei Familien die nächsten Tage bis zu ihrer Abreise in die Neue Welt in Angriff nehmen.