Szenenbeschreibung:

Beantragung der Auswanderungspapiere auf der Amtsstelle in Hermeskeil

Peter und Heinrich haben sich gleich am nächsten Tag nach Hermeskeil aufgemacht und befinden sich jetzt im Bürgermeisteramt bei Amtsbürgermeister Rüdell

Peter klopft an die Tür.           

Bürgermeister

Die Tür ist offen!

Peter öffnet die Tür. Hinter einem großen Schreibtisch sitzt Bürgermeister xxx. Auf der linken seite des Schreibtisches liegt ein Stapel Akten. Auf der rechten Seite eine Pfeife.

Bgm. Rüdell hält eine Zeitung aufgeschlagen in der Hand und liest.

Bürgermeister

Kommt nur herein.

Er schaut hinter seiner Zeitung hoch und sieht Peter und Heinrich an.

Bürgermeister

Was kann ich fürt Euch tun?

Peter

Guten Morgen Herr Bürgermeister Rüdell

Bürgermeister

Ah, ihr seid die Munos aus Damflos? Was führt Euch zu mir?

Peter

Ja. Ich bin Peter Muno und das ist mein Bruder Heinrich.

Bürgermeister

Nehmt Euch die beiden Stühle hier und setzt Euch.

Xxx legt die Zeitung beseite.           

Bürgermeister

Wenn ich mich richtig erinnere, seid ihr die Nagelschmiede aus Damflos.

Wie gehen die Geschäfte?

Peter

Es ist schwer geworden. Nägelmachen ernährt kaum noch seinen Mann.

Bürgermeister

Das höre ich immer öfter. Hier in Hermeskeil beklagen sich die Schmiede auch. Was kann man machen?

Peter

Da haben wir nicht viele Möglichkeiten. Der einzig richtige Weg ist, von hier wegzugehen. Hier bleiben ist schwieriger als sein Glück woanders suchen.

Bürgermeister

Das ist schlimm. In der Zeitung habe ich es auch vorhin wieder gelesen, dass viele unserer Landsleute ihr Glück in Amerika versuchen.

Auch bei uns in Hermeskeil und vor allem bei Euch in Damflos und Züsch sind schon soviele ausgewandert.

Peter

Das ist auch der Grund Herr Bürgermeister warum wir heute hergekommen sind.

Bürgermeister

Ihr also auch. Als hätte ich es mir gleich denken können.

Ihr seid allerdings nicht die ersten heute.

Der Georg Schmitt aus Damflos war heute Morgen auch schon bei mir um seine Ausreisepapiere zu beantragen.

Heinrich

Ah der Schorsch auch.

Er erzählt ja schon seit dem Herbst letzten Jahres dass er mit seiner Frau und den fünf Kindern weg will.

Peter

Wir haben uns auch entschlossen unser Glück in der Neuen Welt zu finden.

Bürgermeister

Die Zeiten sind schlecht. Ich kann gut verstehen, daß ihr in Amerika ein neues Leben aufbauen wollt.

Peter

Ja, das wollen wir.

Bürgermeister

Wann wollt ihr denn das Abenteuer wagen?

Peter

So bald wie möglich. Deswegen wollen wir heute unsere Ausreisepapiere beantragen.

Bürgermeister

Dann geht am besten gleich in das Zimmer nebenan zu meinem Büroschreiber. Er wird dann die notwendigen Formulare mit Euch vorbereiten.

Wenn der Landrat Euer Ausreiseersuchen unterschrieben hat, dauert es noch etwa 3-4 Wochen, bis die Ausreisepapiere fertig sind.

Peter

3-4 Wochen. Das ist gut.

Bürgermeister

In Trier gibt es den Agenten Lenz. Wenn ihr wollt geht zu ihm hin. Er kann für Euch alles organisieren. Die Reise zum Hafen nach Antwerpen und die Schiffspassage.

Ich gebe Euch hier die Adresse.

Peter

Vielen Dank.

Bürgermeister

Dann geht mal nebenan zu meinem Büroschreiber.

Ich wünsche Euch viel Glück wenn ihr in Amerika seid.

Peter und Heinrich

Vielen Dank

Peter und Heinrich verlassen das Amtszimmer.

Peter

Das müsste das Zimmer sein.

Hier steht. Seeekreetaariaat.

Heinrich

Ja, dann gehen wir doch rein.

Peter klopft an die Tür.

Schreiber

Ich bin beschäftigt. Draußen bleiben.

Peter klopft nochmal und öffnet die Tür einen Spalt weit.

Schreiber

Donnerwetter nochmal. Hab’ ich Euch nicht gesagt. Draußen bleiben.

Wenn ihr dran seid rufe ich Euch schon rein.

Peter schließt die Tür wieder

Peter

Da war doch gar keiner sonst im Zimmer drin.

Heinrich

Wer ist denn dieser Wichtigtuer?

Peter

Keine Ahnung. Dann setzen wir uns eben solange hier auf die Bank.

Nach einer guten halben Stunde geht endlich die Tür auf und ein Kopf lugt aus dem Türspalt und schaut in den Gang.

Büroschreiber

Wer hat eben geklopft?

Peter

Das waren wir. Vor einer halben Stunde.

Büroschreiber

Dann reinkommen!

Der Büroschreiber geht durch das kleine Zimmer zu seinem ebenso kleinen Tischchen, setzt sich auf seinen Holzstuhl und stützt gewichtig die Arme auf.

Büroschreiber

Was wollt ihr nun?

Peter

Wir waren vor über einer halben Stunde beim Herrn Bürgermeister xx.

Wir sollen bei ihnen die Ausreisepapiere nach Amerika beantragen.

Der Bürgermeister hat uns hergeschickt damit Sie die Formulare für uns fertig machen.

Büroschreiber

Mal ganz schön langsam. So schnell geht das hier nicht.

Da brauche ich zuerst alle Angaben von Ihnen.

Also wer will hier Auswandern?

(und greift nach einem Formular aus seinem Schränkchen hinter ihm.

Peter

Also..

Büroschreiber

Ja, mal ein bisschen zackig.

Heinrich

Ich dachte das geht hier nicht so schnell.

Büroschreiber

Nicht frech werden, sonst könnt ihr gleich ...

Peter

Entschuldigung. Er hat das nicht so gemeint.

Also. Wir sind zwei Familien.

Einmal die meines Bruders Heinrich, seine Frau und zwei Kinder

Und Meine Familie mit meiner Frau und fünf Kindern.

Büroschreiber

Die Namen! Ihr Name, die Ihrer Frau und die der Kinder.

Wannn geboren?

Peter und Heinrich geben nun geduldig alle Namen und Angaben an.

 

Büroschreiber

So das hätten wir erstmal.

Jetzt jeder auf seinem Formular hier unterschreiben.

Peter

Wie lange wird es denn dauern bis die Ausreisegenehmigungen da sind.

Büroschreiber

Das geht alles seinen geregelten Gang.

Zuerst müssen wir von Amtswegen prüfen ob gegen Sie kein Straffverfahren anhängig ist und dass sie keine Steuerschulden haben.

Heinrich

Jetzt hört sich doch alles auf.

Wir und Straffverfahren, Steureschulden ...

Peter

Pssst Heinrich. Sei mal jetzt still.

Büroschreiber

Genau.

Und das alles zusammen geht dann zum Landrat.

Wenn alles in Ordnung ist wird er die Papiere unterschrieben und ihr könnt dann endlich von hier fort.

In ein paar Wochen kriegen sie dann bescheid.

Ach ja. Das muss ich hier noch vermerken.

Warum wollen Sie nach Amerika?

Peter

Wir hoffen, dass wir in der Neuen Welt ein besseres Auskommen finden als hier.

Büroschreiber

So. so!

Das war’s. Sie können jetzt gehen.

Peter und Heinrich verlassen das Büro ohne einen Gruß. Als sie draußen auf der Straße sind holen sie erstmal tief Luft.

Heinrich

Sag mal. Was bildet sich denn dieser Schreiberling eigentlich ein.

Peter

Du hast recht. Ich war auch kurz davor ihm ein paar passende Worte zu sagen. Aber es ist besser man hält sich bei diesen Wichtigtuern zurück.

Heinrich

Ein Scheißkerl ist das.

Peter

Nur gut, dass wir bald diese preußischen Bürokraten nicht mehr benötigen.

Peter und Heinrich machen sich wieder auf den Heimweg. Unterwegs treffen Sie im Hohlen Weg ihren Schwager Peter Kaup.

Peter

Guten Morgen Schwager. Auch was zu erledigen in Hermeskeil?

Peter K.

Wie ich sehe, habt ihr Eure Erledigungen schon gemacht.

Peter

Ja, wir kommen vom Bürgermeisteramt.

Peter K.

Ihr habt die Auswanderung beantragt?

Heinrich

Ja, stimmt. Woher weißt Du?

Peter K.

Eure Frauen haben es heute Morgen der Maria erzählt.

Peter

Also die Weibsleut können ja nichts für sich behalten.

Peter K.

Und da haben wir kurzerhand beschlossen auch nach Amerika zu gehen.

Ich bin jetzt auch auf dem Weg auf’s Amt um die Papiere zu besorgen.

Peter

Dann wollen wir Dich nicht länger aufhalten.

Heinrich

... und nimm Dich vor diesem Wichtigtuer von Büroschreiber in acht.

Das ist ein ganz komischer Kauz.

Peter K.

... mache ich. Dann bis später.