Am Tag danach.

Es ist noch früh am Morgen. Die Sonne ist gerade über dem Wald aufgegangen.

Peter und Anna Maria sitzen am Tisch in der Küchennstube.

Oma Elisabeth legt noch im Stubenherd etwas Holz nach.

Heinrich und Margret kommen gerade aus ihrer Kammer. Die Augen noch einwenig verschlafen und setzen sich zu den anderen an den Tisch.

 

Heinrich

Guten Mooorgen.

Peter

Guten Morgen ihr Zwei.

Margret

Seid ihr schon lange auf?

Peter

Wir konnten einfach nicht mehr schlafen.

Margert

Ich habe heute Nacht kaum ein Auge zugemacht.

Anna Maria

Uns ging es ähnlich. Es ist heute irgendwie anders als sonst.

Peter

Anna und ich haben gestern Abend noch lange hier gesessen und über uns nachgedacht.

So einiges ist uns da durch den Kopf. Auch nachher als wir schon im Bett lagen habe ich noch lange darüber nachgegrübelt.

Wir denken, dass wir eine für uns weitreichende Entscheidung getroffen haben.

Anna Maria

Ja, so ist es.

Heinrich

Was habt ihr vor?

Peter

Wir wollen es Euch beiden und dir Oma heute Morgen sagen.

Margret

Das hört sich aber sehr ernst an.

Anna Maria

Ja, so kann man es auch sagen.

Peter

Also

Heinrich

Na dann sag schon. Ich kann mir es schon fast denken.

Peter

Nun gut. Anna und ich haben gestern Abend noch lange überlegt.

Wir sehen hier für uns und vor allem für unsere Kinder keine wirkliche Zukunft.

Es ist uns nicht leicht gefallen, aber wir haben oder besser wir mussten eine Entscheidung treffen die für uns und unsere Kinder das weiter Leben verändern wird.

Heinrich

Das klingt aber sehr dramatisch

Peter

Ja, das trifft es auch ziemlich genau.

Wir haben es uns gründlich überlegt und auch die Nacht nochmal darüber geschlafen.

Wir haben uns entschlossen, das hier alles hinter uns zu lassen. Wir werden ein neues Leben beginnen.

Wir folgen unseren Cousins und unserem Bruder Johannes.

Wir gehen nach Amerika.

Margret

Nein. Da muss ich jetzt erstmal schlucken.

Heinrich

Sag das nochmal.

Peter

Ja, wir packen unseren Krempel hier zusammen und versuchen unser Glück in der Neuen Welt.

Elisabeth

Kinder. Habt ihr Euch das wirklich gründlich überlegt?

Peter

Ja Mutter. Unser Entschluss steht fest.

Unsere verbliebenen Kinder sind noch klein. Mariechen, die Älteste ist erst Neun. Wir wollen ihnen etwas besseres bieten als das was hier in der Zukunft auf sie wartet.

Es bleibt uns keine andere Wahl.

Margret

Ihr habt ja so recht.

Heinrich und ich sprechen ja auch schon lange davon von hier wegzugehen.

Etwas besseres als hier finden wir überall.

Was würdet ihr sagen wenn wir Euch anschließen.

Um ein neues Zu Hause in der Neuen Welt aufzubauen sind acht Hände besser als nur vier.

Heinrich

Genau. Wir sollten wie immer zusammenhalten und unsere Zukunft gemeinsam anpacken.

 

Alle sitzen noch eine ganze Weile um den Tisch herum. Es herscht eine sonderbare Stimmung im Raum. Für einige Momente ist es ganz still im Raum. Nur das Knistern des Holzfeuers im Küchenherd kann man hören. Es ist eine Mischung aus Ungewissheit vielleicht auch etwas Angst, aber auch Zuversicht und Freude. Man hat es ausgesprochen. Jetzt gibt es kein zurück mehr, nur noch Hoffnung auf eine besser Zukunft.

Oma Elisabeth tunkt wortlos ihr Stück Brot in den Malzkaffee.

 

Plötzlich stürmen die beiden ältesten Kinder, Mariechen und Hannes aus der Kammer in die Stube und unterbrechen die Stille.

Mariechen

Der Hannes hat wieder an meinen Zöpfen gezogen

Hannes

Du alte Petze.

Anna Maria

Ach Mariechen. Das wird schon nicht so schlimm sein.

Setzt Euch mal her.

Was wollt ihr denn zum Frühstück. Brot mit Marmelade oder lieber Haferbrei.

Hannes

Lieber Brot mit Heidelbeermarmelade.

Mariechen

Ich hab’ eigentlich gar keinen Hunger.

Anna Maria

Ich mache Dir ein schönes Butterbrot.

Mariechen

Ja , gut.

Peter

Ist denn heute keine Schule?

Mariechen

Nein. Der Herr Lehrer ist heute nach Trier. Er hat gesagt, dass er dort etwas erledigen muss.

Peter

Ach so.

Kannst Du dich noch erinnern, was Euch der Lehrer von dem Land mit dem Namen Amerika geleehrt hat?

Mariechen

Ja. Das ist ein ganz großes Land und ganz weit von hier weg.

Um dorthin zu kommen muss man über ein großes Meer segeln.

Anna Maria

Würde es Dir und Johannes gefallen dieses Land kennzulernen?

Hannes

Klasse! Heute?

Mariechen

Ich habe aber mit Anna, Lena und Gret ausgemacht, dass wir heute Seilhüpfen spielen.

Peter

Nein nicht heute. Später. In zwei bis drei Monaten.

Mariechen

Dann komme ich mit.

Heinrich

Deine Tante Margret und ich kommen dann auch mit.

Hannes

Fahren wir dann mit einem Schiff?

Peter

Ja. Mit einem Segelschiff.

Margret

Ich weiß garnicht was wir alles mitnehmen müssen.

Peter

Alles der Reihe nach. Nichts überstürzen.

Ich gehe diese Woche erstmal zum Amtsbürgermeister nach Hermeskeil um die Papiere für die Ausreise zu beantragen.

Heinrich

Da gehe ich mit.

Peter

Gut. Dann gehen wir am besten gleich Morgen.

Oma Elisabeth

Kinder! Muss das denn alles so schnell gehen?

Und seid ihr denn wirklich sicher, dass das eine gute Idee ist nach Amerika zu gehen?

Peter

Ja Mutter. Auch wenn es schwer fällt. Wir haben uns entschieden.

 

Inzwischen ist die Sonne schon ein gutes Stück über den Wald geklettert und blinzelt durch das kleine Küchenfenster.

Der Winter verabschiedet sich all mählich aus dem Hochwald.

Hie und da liegen noch ein paar kleine Schneeflecken, aber das Grün zeigt sich schon auf den Wiesen.

Eine neue Zeit ist angebrochen und die Hoffnung, dass es eine bessere wird ist den Gesichtern anzusehen.

Nur Oma Elisabeth kann sich mit dem Neuen noch nicht recht anfreunden.

Ihr ist etwas unwohl bei dem Gedanken, dass das Haus bald leer sein wird und sie ihre Kinder und Enkelkinder nur noch für kurze Zeit bei sich hat.