Szenenbeschreibung:

In der Gastwirtschaft des Johannes Düpre erzählen zwei Damfloser Wilderer von ihrem jüngsten Jagderfolg.
Peter Muno tritt zum ersten mal auf.
Es kommt auf die Auswanderung von Johannes Muno zu sprechen.

Erzähler

Unsere Geschichte beginnt in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Es ist Ende November im Jahr 1856 und früher Abend und noch nicht ganz dunkel. In der Gaststätte des Johannes Düpre (genannt Hannes) im kleinen Hochwalddorf Damflos sitzen an einem der drei Tische vier Männer aus dem Dorf und unterhalten sich angeregt. (Im Hintergrund hört man die Männer reden.)

Gast1

Erzähle doch mal, wie ihr das gemacht habt.

Jakob

Also Der Christian und ich sind gestern morgen bei Zeiten, es war noch dunkel, über den Diebeskopf in Richtung Thranenweiher. An der großen Lichtung haben wir uns dann in unserem Versteck im Dickicht auf die Lauer gelegt. Die Nebel haben sich allmählich verzogen als wir von rechts zwei Wildschweine sahen die auf die Lichtung liefen. Und gleich dahinter kamen noch zwei.  Die waren vielleicht so höchstens hundert Meter von uns weg. Wir waren ganz ruhig und haben uns nicht gemuckst. Christian hat dann ganz vorsichtig und leise seine alte Zwillings-Flinte angesetzt und auf das größte der vier Wildschweine gezielt. Ein Schuss und der Keiler sackte zusammen. Die anderen drei rannten sogleich wieder in das Dickicht. Wir beide sind dann aus unserer Deckung herausgestürmt. Der Keiler lebte noch und rannte plötzlich auf uns zu. Wir blieben stehen. Christian setzte noch einmal seine Flinte an und streckte den Keiler mit dem zweiten Schuss nieder. Er lud noch einmal nach und feuerte sicherheitshalber noch ein drittes mal. Jetzt war er erledigt.

Gast 2

Ei Christian Du bist ja ein richtiger Kunstschütze.

Christian

Gekonnt ist eben gekonnt. (alle lachen)

Jakob

Wir haben uns dann Stangen gehauen und den Keiler darauf gebunden. Ich kann dir sagen, so 3 Zentner wollen erstmal geschleppt sein. Wir haben den Keiler dann ins Versteck an die Strasse geschleppt und ich bin dann so schnell ich konnte heim um das Pferd und den Wagen zu holen.

Christian

Ich bin dort geblieben und habe in der Zwischenzeit Reisig gesammelt.

Jakob

So nach etwa 4 Stunden war ich wieder zurück. Wir haben den Keiler aufgeladen, das Reisig darübergepackt und sind wieder heim.

Gast 1

Hattet ihr denn keine Befürchtung, dass Euch der Förster aus Abentheuer erwischt.?

Christian

Ach Quatsch. Der hätte nur kommen sollen, dem hätten wir das Laufen dann schon beigebracht. (schallendes Gelächter)

Gastwirt

Das nenne ich doch einen Grund darauf einen zu trinken.

Ich geb ne Runde Selbstgebrannten.

Erzähler

In diesem Moment kommt Peter Muno zur Wirtschaftstür herein

Peter

Guten Abend ihr Männer

Alle

Guten Abend Peter

Peter

Was seid ihr denn am Feiern?

Gastwirt

Der Jakob und der Christian haben gestern hinterm Diebeskopf einen kapitalen Keiler erlegt.

Christian

Komm Peter setze dich zu uns und trinke einen mit.

Der Hannes gibt einen Selbstgebrannten aus.

Peter

Ja gerne. Hannes machst Du mir noch einen Krug.

Dann  stossen wir doch darauf an, dass ihr und Eure Kinder jetzt über den Winter ein gutes Stück Fleisch auf dem Teller habt.

Christian

Prost

 

Prost (alle zusammen)

Gastwirt

Sag mal Peter, schon etwas von Deinem Bruder Johannes gehört?

Peter

Nein bis jetzt noch nicht.

Es ist ja auch erst knapp zwei Monate her, dass er von hier weg ist.

Amerika ist weit.

Gast 1

Der hat das richtig gemacht. Der ist mit seiner Frau ab! In die neue Welt!

Gast 2

Ja, wenn ich noch mal so jung wäre wie der Johannes, würde ich das genau so machen.

Gast 1

Wie alt sind denn der Johannes und seine Lena?

Peter

Mein Bruder ist jetzt 29 und seine Frau 23

Jakob

Das ist genau das richtige Alter um woanders etwas Richtiges anzufangen.

In Amerika!

Gast 2

Was will man auch hier. Arbeit gibt es hier doch sowieso keine mehr seit es den Hammer in Züsch nicht mehr gibt.

Christian

Die Landwirtschaft bringt auch kaum das zustande was man selbst zum Leben braucht.

Gast 1

Und wenn wir uns dann mal ein bisschen Holz aus dem Wald holen...

Jakob

... oder ein kleines Wildschwein schießen.. (alles lacht)

Gast 1

... hetzen sie gleich die Hunde auf uns los.

Gast 2

Ganz genau! Was sollen denn die jungen Leute auch hier. Hier gibt es doch für uns keine Zukunft.

Peter

Für unsere Mutter ist das nicht so einfach, dass der Johannes fort ist. Wo doch unser Vater vor gerade mal 5 Jahren erst gestorben ist. Aber ich kann unseren Johannes gut verstehen. Ich habe mir das auch schon überlegt. Die Schmiede bringt ja kaum eine Familie durch. Und mein Bruder Heinrich hat auch schon zwei Kinder. Damit sind wir dann schon zwölf, die die Schmiede ernähren soll.

Gastwirt

Ja, willst Du denn auch weg nach Amerika?

Peter

Das weiß ich nicht. Das ist nicht so einfach mit sechs Kindern.

Gastwirt

Trinkst Du noch einen mit?

Peter

Nein ich muss wieder zurück. Ich muss noch in den Stall und Heu aus der Scheune für die Kühe vom Heuboden runter holen bevor es gleich ganz dunkel ist.

Hannes was kriegst Du für den Krug?

Gastwirt

Wie immer, einen halben Groschen

Erzähler

Peter legt den halben Groschen auf den Tisch, trinkt aus, steht auf und geht zur Tür hinaus.